Fachbeiträge für Praxis und Pflege · Aktualisiert am · 3 Min. Lesezeit
Dekubitusprophylaxe: Risiko einschätzen, Druck entlasten
Der Expertenstandard des DNQP stellt Bewegungsförderung sowie Druckentlastung und Druckverteilung in den Mittelpunkt. Was das für Pflege und Materialauswahl heißt.
Ein Dekubitus ist laut der im Expertenstandard verwendeten internationalen Definition eine lokal begrenzte Schädigung der Haut oder des darunter liegenden Gewebes, typischerweise über knöchernen Vorsprüngen, infolge von Druck oder Druck in Verbindung mit Scherkräften. Der Expertenstandard des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP), 2. Aktualisierung 2017, sieht die Vorbeugung als Kernaufgabe der Pflege.
Für wen der Standard gilt
Er richtet sich an Pflegefachkräfte in der ambulanten Pflege, in der stationären Altenhilfe und in der stationären Gesundheitsversorgung. Betroffen sind Menschen jeder Altersgruppe, die durch gesundheitliche Einschränkungen, Pflegebedürftigkeit oder eingeschränkte Mobilität ein erhöhtes Risiko haben. Angehörige bezieht der Standard ausdrücklich ein, weil sie vor allem zu Hause eine wichtige Rolle spielen.
Risiko einschätzen und Haut beobachten
Am Anfang steht die Einschätzung, ob ein Risiko besteht. Ändert sich die Situation, wird sie wiederholt. Für die Beobachtung lohnen sich Stellen über Knochenvorsprüngen wie Kreuzbein, Fersen und Hüfte. Auch medizinische Hilfsmittel und Geräte, die von außen Druck auf die Haut ausüben, sind ein Risiko. Bei Kindern aller Altersstufen nennt der Standard sie sogar als das größte.
Bewegung und Druckentlastung im Mittelpunkt
Laut Zielsetzung stehen Maßnahmen im Vordergrund, die zu Druckentlastung und Druckverteilung beitragen. Der Bewegungsförderung misst der Standard einen zentralen Stellenwert bei. In der Praxis bedeutet das:
- Bewegung fördern: Eigenbewegungen unterstützen, bevor nur noch umgelagert wird.
- Positionswechsel planen: Intervalle individuell nach Haut und Situation festlegen und dokumentieren.
- Sitzen nicht vergessen: Auch im Stuhl entsteht Druck, sitzende Position ist ein eigenes Thema im Standard.
- Fersen frei lagern: Fersen gelten als besonders gefährdet und werden eigens behandelt.
- Scherkräfte vermeiden: Beim Bewegen im Bett anheben und nicht ziehen.
Hilfsmittel einordnen
| Art | Prinzip |
|---|---|
| Reaktive Systeme | Weichlagerungsmatratzen, Auflagen und Kissen verteilen den Druck kontinuierlich |
| Aktive Systeme | Wechseldruckmatratzen, Auflagen oder Kissen entlasten intermittierend |
Ein Hilfsmittel ersetzt weder Bewegungsförderung noch Beobachtung. Die Auswahl richtet sich nach der Einschätzung im Einzelfall und den Herstellerangaben. Zum Umfeld gehören passende Pflegebetten.
Haut und Feuchtigkeit
Auch Hautpflege und Hautschutz behandelt die Literaturstudie. Feuchtigkeit, etwa bei Inkontinenz, kann die Haut belasten und muss in der Versorgung mitgedacht werden. Hinweise gibt der Beitrag Inkontinenz in der Einrichtung.
Der Standard nennt auch Grenzen: Das Ziel ist nicht bei allen Menschen erreichbar, etwa bei lebensbedrohlichen Zuständen oder in der Terminalphase, wenn andere Prioritäten gelten. Betroffene können sich zudem gegen Maßnahmen entscheiden. Die Pflicht, das Risiko einzuschätzen und zu informieren, bleibt bestehen.
Was das für die Organisation bedeutet
Ein Standard wirkt nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Für die Einrichtung heißt das konkret:
- Zuständigkeit: Wer schätzt das Risiko ein? Wann wird neu bewertet?
- Dokumentation: Positionswechsel, Hautbefund und Absprachen mit Betroffenen werden nachvollziehbar festgehalten.
- Hilfsmittel: Lagerungskissen und Matratzen müssen rechtzeitig verfügbar sein, wenn sie gebraucht werden.
- Schulung: Das Team kennt Lagerungstechniken und den schonenden Transfer.
- Angehörige: Gerade zu Hause brauchen sie eine kurze Anleitung, denn sie übernehmen einen Teil der Versorgung.
Auch ernährungsbezogene Maßnahmen und die Information der Betroffenen behandelt die Literaturstudie zum Standard jeweils in eigenen Abschnitten. Die Einzelheiten stehen in der Veröffentlichung des DNQP, die Einrichtungen für ihre Verfahrensanweisung heranziehen sollten.
Was eine Einrichtung sonst an Material bereithält, zeigt der Beitrag Pflegebedarf für Einrichtungen.
Für Schulungen im Team gibt es den Pflege- und Verbandsimulator „Dekubitus Dan“. Weiteres Material für Einrichtungen zeigt die Seite für Pflegeheime und Pflegedienste.
Quellen
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information für Fachkreise und wurde nach bestem Wissen erstellt. Er ersetzt keine rechtliche oder medizinische Beratung im Einzelfall. Maßgeblich sind die jeweils aktuellen Vorschriften und die Angaben der Hersteller. Für Vollständigkeit und Aktualität übernehmen wir keine Gewähr.